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Rezension vom Chorverband Berlin: Sonntagskonzertreihe 2019

Lux - Licht – Ewige Fragen in alten und neuen Werken 

 

 

Es ist allgegenwärtig. 

Licht begegnet uns als elektromagnetische Strahlung in den Naturwissenschaften. Es bildet die 

Grundlage für das Wachstum unserer Nahrung und das Gedeihen unseres physischen Körpers. 

Und es hat kulturgeschichtliche Relevanz: als Gestaltungselement in der Bildenden Kunst, sowie 

als weiträumige Metapher für etwas, dass wir Menschen seit jeher in Dichtung, Musik, Philosophie 

und Religion darstellen und suchen: Licht ermöglicht uns Leben, Sehen und Einsehen.

Dieses breite Spektrum des Lichts vergegenwärtigte auf wunderbarer Weise der dritte Konzert-Nachmittag im Rahmen der Sonntagskonzertreihe des Berliner Chorverbandes 2019 in der 

Philharmonie.

Die Leiter von vier Berliner Kammerchören hatten vor zwei Jahren begonnen, gemeinsam den 

roten Faden zu spinnen, ein Programm zu ersinnen und mit dem Thema Lux musikalische 

Antworten auf ewige Fragen zu finden. Ein Programm wurde zusammengestellt und einstudiert, 

das in ein leuchtendes und (klang-) farbenreiches Konzert am 31. März im Kammermusiksaal der 

Philharmonie Berlin mündete.

Mit dabei waren Concentus Neukölln (Leitung: Thomas Hennig), der Kammerchor JEUNESSE 

Berlin (Leitung Johannes Dasch), Hxos Chor Berlin (Leitung: Stelios Chatziktoris) sowie der 

Kammerchor Vocantare (Leitung: Nils Jensen).

Als besonders gelungen und inspirierend ist die aufeinander abgestimmte Dramaturgie und 

Choreografie des Konzertes sowie die sechs gemeinsam erarbeiteten Werke zu erwähnen. Zu 

Beginn und am Ende jeder Konzerthälfte sowie in der Mitte standen die 

„Gemeinschaftsproduktionen“. Alle vier Chöre begannen mit dem Josquin de Prés´ Gaude virgo, 

endeten vor der Pause mit Griegs Ave maris stella, führten nach der Pause fort mit Mendelssohns 

Richte mich Gott und beschlossen den Abend mit Rheinberges Abendlied. In der Mitte des ersten 

und zweiten Blocks stand jeweils ein Werk, das von zwei Chöre gesungen wurden: Schumanns An 

die Sterne (Concentus Neukölln & JEUNESSE Berlin) und Warum ist das Licht gegeben von 

Brahms (Hxos Chor & Vocantare).

Es war - trotz nur eines gemeinsamen Probentages für alle Beteiligten- zu hören, wie gut es sich 

auswirkt, wenn diese vielstimmigen Vertonungen in kleinen, intensiv arbeitenden, transparent 

klingenden und aufeinander hörenden Ensembles vorstudiert werden. Puls, Phrasierung, 

Absprachen, Dynamik und Intonation waren trotz der Vielzahl von über 100 Sängerinnen und 

Sänger gut aufeinander abgestimmt und führten zu einer klanglich beeindruckenden 

Interpretation.

Jeder Chor präsentierte zudem gut 15 Minuten ein alleiniges Programm, das sich überdies ebenso

um die verschiedenen Aspekte und den Facettenreichtum der Licht-Metaphorik rankte.

...

Der Kammerchor JEUNESSE Berlin unter der Leitung von Johannes Dasch beeindruckte neben 

sehr souverän und auswendig gesungenen Werken von Schütz, Gallus und Gjeilo mit einem Werk

des australischen Komponisten Stephen Leek.

Inspiriert vom Kondalilla-Nationalpark in Australien setzt die gleichnamige Komposition 

Kondalilla das Spiel von Licht, Wasser und Naturgeräuschen in Musik. Basierend auf 

Improvisationen über vorgegebenes Tonmaterial und vor dem Hintergrund zum Teil feststehender 

Linien in den Männerstimmen öffnete sich dem Hörer eine Welt des Licht-und Tierstimmen

durchflutenden Naturschauspiels, das den Mitglieder des JEUNESSE –Chores auf eindrückliche

Weise gelungen ist....

Dass es ein gelungener Nachmittag war, war den Gesichtern der Sängerinnen und Sänger nach 

dem Konzert anzusehen und dem Bravo-Rufen des Publikums samt den Gesprächen backstage zu 

entnehmen. Alle – Sängerinnen, Sänger und Dirigenten - fühlten sich durch das gemeinsame Tun 

inspiriert, haben gegenseitig bleibende Erfahrungen gewonnen, neue Gesangs-Impulse erhalten 

und das Klangerlebnis in der Fülle genossen.

Es war der erste lange Tag nach der sommerlichen Zeitumstellung: Man konnte beschwingt in 

den lichten Frühlingsabend nach Hause gehen.

Marie-Louise Schneider


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